Samstag, 23. März 2013

Beerdigung



Gestern war ich bei einer Beerdigung in der Nähe von Thika, nicht weit von Nairobi. Ich habe Eric begleitet, ihn kenne ich aus dem Workcamp im November, er war dort als kenianischer Freiwilliger dabei. Evans war ein Kollege von ihm, sie haben zusammen für das „Africa Yoga Project“ (http://www.africayogaproject.org/) Yoga in Schulen, Waisenhäusern und im Gefängnis unterrichtet. Er kam letzten Mittwoch bei einem Verkehrsunfall ums Leben, als ein Auto sein Motorrad seitlich rammte. Der Motorradfahrer liegt im Krankenhaus, der Autofahrer wurde verhaftet. Evans war sofort tot. Er ist nur 28 Jahre alt geworden.

Eric und ich fuhren mit dem Bus zur Leichenhalle. Dort trafen wir andere Freunde, Kollegen und Verwandte von Evans. Insgesamt müssen mindestens 250 Menschen auf der Beerdigung gewesen sein. Viele hatten T-Shirts an, auf die ein Foto von Evans gedruckt  war. Die T-Shirts hatte das Africa Yoga Project (AYP) organisiert. Sie haben auch einen Großteil der Beerdigungskosten übernommen. Die Stimmung war sehr gedrückt.

Als der Pfarrer anfing zu beten und alle am Sarg vorbei gehen konnten, um Evans Gesicht ein letztes mal zu sehen, haben viele Gäste geweint und geschrien. Evans kleine Schwester hat sich auf den Sarg geworfen, laut geweint und Evans Namen gerufen. Es war furchtbar. Ich dachte immer, es sei furchtbar, wenn Kinder sterben. Das ist es auch. Aber wenn junge Leute sterben, die mitten im Leben standen, viele Freunde und Kollegen, ein großes soziales Netz hatten, dann ist das fast noch schlimmer. Ich selbst kannte Evans nur vom Sehen, aber alle sagten mir, er sei ein sehr lebensfroher und offener Mensch gewesen, der überall Freunde hatte und beliebt war. 


 Nach den Gebeten und Liedern fuhren alle zusammen mit gemieteten Bussen und privaten Autos in Evans Heimatort. Dort waren auf einer Wiese drei große, an den Seiten offene Zelte mit Stühlen aufgebaut und in der Mitte eines, in dem der Sarg stand. Die Zeremonie war ergreifend, obwohl die Reden kurz waren. Keiner hat viele Worte, wenn ein so junger Mensch so plötzlich aus dem Leben gerissen wird. Die Rede des Pastors war humorvoll und es schien mir, als seien viele erleichtert, dass sie durch seine Witze etwas zu lachen hatten zwischen dem vielen Weinen.








Nach den Reden wurden alle anwesenden Gruppen am Sarg fotografiert: Evans Familie, seine Kollegen vom Theater und von AYP, seine Freunde aus den Orten, an welchen er Yoga unterrichtet hat.


Wir gingen alle zusammen zum Grab auf dem Grundstück von Evans Familie. Der Sarg wurde herunter gelassen, wir beteten und wer Kraft hatte zum Singen, stimmte in die englischen und swahilischen Texte mit ein. Das Grab wurde gemeinschaftlich mit roter Erde und Zement zugeschaufelt. Am Ende zierten es außerdem drei hübsche Blumenkränze. 


Nach der Bestattung gab es für alle Gäste Mittagessen: Reis, Gemüse und Bohnen. Ein Fotograf hatte die Gäste während des Tages fotografiert und die Fotos gleich vorort ausgedruck. Sie konnten nun angesehen und für 50 cent pro Stück gekauft werden. Ich habe ein paar Fotos gekauft und abfotografiert.





Obwohl ich Evans kaum kannte, war für mich der Tag sehr traurig. Ich bete für Evans und seine Familie, damit sie auch ohne ihn ihren Weg finden.





Dienstag, 19. März 2013

Safari Safari



So. Jetzt aber. Ich weiß, diesmal habe ich wirklich lange gebraucht, dafür habe ich aber gute Gründe: Im Februar hatte ich Besuch von meinem Papa und meiner Schwester und danach von einer Freundin aus Deutschland. Mit meiner Familie habe ich eine Safari gemacht, von der ich euch diesmal gerne ein paar Bilder zeigen möchte.

Es ist mir gegenüber angedeutet worden, dass mein Blog den Anschein erwecke, dass ich ständig unterwegs bin. Das stimmt natürlich nicht! Naja, in letzter Zeit schon ein bisschen, aber mein Alltag ist in meinem Blog insgesamt wirklich ein bisschen zu kurz gekommen. Ich glaube, das liegt nicht zuletzt daran, dass ich mich mittlerweile ziemlich gut eingelebt habe und mir nicht mehr jede Kleinigkeit berichtenswert erscheint. Ich weiß aber natürlich, dass das bei euch anders ist, da ihr ja immernoch nur einen kleinen Einblick in mein Leben hier habt. Ich verpreche, in den nächsten Monaten mehr über meine Arbeit im Waisenhaus und meinen Alltag in Kenia zu berichten! Übrigens könnt ihr natürlich gerne kommentieren und euch Themen wünschen oder Fragen stellen. Gerne auch per email. Außerdem will ich wieder einmal auf die Blogs der anderen Freiwilligen verweisen, die teilweise (Sonia z.B.) ihren Blog noch viel mehr pflegen als ich. 

Trotz Allem finde ich, dass ich euch die schönen Bilder der Safari nicht vorenthalten sollte. Wundert euch nicht, wenn mein Papa und meine Schwester nicht auf den Bildern zu sehen sind, sie haben mich ausdrücklich darum gebeten, keine Bilder von ihnen zu veröffentlichen.

Ich hatte mich sehr auf den Besuch meiner Familie gefreut und war sehr aufgeregt und vor allem gespannt, was sie zu dem Land sagen würden, das für mich schon längst zu einer zweiten Heimat geworden ist. Ich habe schließlich schon längst eine ganz andere Sicht auf viele Dinge hier als jemand, der gerade erst angekommen ist. Außerdem hat jemand, der weiß, dass er „nur“ für eine 10-tägige Safari in Kenia ist, einen ganz anderen Blickwinkel als all die Freiwilligen, die mehr oder weniger lange hier sind und hier leben. Nicht urlauben

Die Wiedersehensfreude am Flughafen war groß und die Fahrt zum Hotel lang. Berufsverkehr eben. Das Safaripark Hotel, in dem wir die drei ersten Tage unserer Safari verbrachten, ist eines der besten Hotels Kenias. Die Anlage ist wunderschön, wir haben die Zeit am Pool und im Restaurant sehr genossen und richtig die Seele baumeln lassen. Meine Schwester Sarah und mein Papa mussten sich erst einmal an die Hitze hier in Kenia gewöhnen. Ein Sprung von um die 0°C auf 30°C steckt ein normaler Mensch nicht so einfach weg. Aber der Pool und das kühle Tusker haben sehr geholfen. Tusker ist eine hier weit verbreitete kenianische Biersorte. Mein Papa und meine Schwester waren gleich angetan davon. Deutschland ist nicht die einzige Biernation in dieser Welt! In Kenia wird viel und gerne Bier getrunken. Zu Recht.


Viel Zeit zum Ausruhen blieb uns jedoch nicht, denn gleich am ersten Tag nach der Ankunft ging es für uns drei ins „Watoto Wema Centre“ in Ruai – meine Einsatzstelle. Schon die Fahrt dorthin war für meine Gäste eine interessante Erfahrung: Wir sind ganz kenianisch mit dem Bus (Matatu) und dem Motorradtaxi (Pikipiki) gefahren. Die Straßen hier sind oft holpriger als in Deutschland und auch die Häuser, die man aus dem Fenster sieht, sehen anders aus als ich es aus Europa kenne.

Meinem Papa ist ein wirklich schönes Foto vom Inneren eines Matatus gelungen. So müssten die Busse in Deutschland doch mal aussehen! Und das mit guter lauter Musik!




Während der Fahrt unterhielten wir uns über die Lebensumstände, die sich hier zum Teil doch sehr von den Lebensumständen der meisten Europäer unterscheiden. Ich finde die Lebensumstände hier nicht prinzipiell schlechter oder besser als in Deutschland. Ich verzichte gerne auf Schnee und kalte Füße im Winter, grimmige Gesichter, weil der Bus zwei Minuten zu spät kommt, vermeintlich höfliche Reserviertheit und Maulen, weil der Lieblingsjogurt samstags abends um 21:51 Uhr ausverkauft ist. Meiner Meinung nach findet man all das in Deutschland häufiger als hier in Kenia. Mir kommen das Leben hier oft unkomplizierter und die Menschen nachsichtiger und lockerer vor als in Deutschland, wo mir die Gesellschaft insgesamt verbissener, verwöhnter, pessimistischer und kleinlicher erscheint. Ich selbst merke, dass ich hier gelassener und lebensfreudiger geworden bin. Ich versuche für mich selbst einen guten Mittelweg zwischen „kenianischer“ Gelassenheit und „deutscher“ Ordnung und Organisation zu finden.
 

In Ruai habe ich meiner Familie dann stolz „mein“ Waisenhaus präsentiert. Die Kinder sind weiße Besucher hier durchaus gewohnt, haben sich aber dennoch sehr über mitgebrachte Faschingsdekorationen und Süßigkeiten gefreut!














Abends waren wir bei meiner Gastfamilie zum Essen eingeladen. Es gab leckere kenianische Gerichte: Reis, Ugali (Maisbrei), Ndengu (Linsen),  Eintopf mit Rindfleisch, Sukuma (ähnlich wie Spinat) und Spinat, Githeri (Bohnen und Mais), vegetarischen Eintopf und zum Nachtisch Obstsalat. Es hat uns allen gut geschmeckt und wir haben es geschafft, fast alles leer zu essen.



Nach zwei Tagen in Nairobi ging die Safari so richtig los. Unsere Reisegruppe bestand aus zwei  Bussen mit fünf und sechs Personen. Wir teilten uns den Bus mit einem älteren Ehepaar aus Österreich, im anderen Bus fotografierten drei Ehepaare aus Deutschland. Das Wort „Safari“ ist übrigens Swahili und bedeutet im eigentlichen Sinne einfach „Reise“. Tiere und Fotokameras sind hier nicht obligatorisch. 



Unsere Safari führte uns zuerst in eine Mountain Lodge am Fuße des Mount Kenya. Hier hatten wir aus dem Fenster einen guten Blick auf ein Wasserloch, an dem Antilopen und Büffel grasten und tranken. Abends sahen wir außerdem eine Manguste, ddie durch das Futter, das ein Mitarbeiter des Hotels auf einem hohen Holzgestell angebracht hatte, angelockt wurde. Leider ist uns von dem frechen Affen, der uns einen Besuch in unserem Zimmer abgestattet hat, kein gutes Foto gelungen.

Am Abend gingen wir alle sehr aufgeregt schlafen, denn wir sollten vom Hotelpersonal geweckt werden, wenn Hyänen, Warzenschweine oder gar Elefanten oder Löwen zum Wasserloch kämen. Leider haben wir alle friedlich durchgeschlafen und nie erfahren, ob die Tiere in dieser Nacht tatsächlich keinen Durst hatten oder man uns nicht geweckt hatte. Etwas schade war es schon.











Schon am nächsten Tag ging es für uns weiter in die Region der Samburu in die Nähe von Shaba. Hier verbrachten wir drei Nächte in einer wunderschönen Lodge direkt am Uaso Nyiro Fluss. 


Das Essen in dieser Lodge (wie auch in den anderen Lodges) war sehr gut! Es gab immer ein schönes Salatbuffet, sehr leckere Suppen, viele unterschiedliche Hauptspeisen, die europäisch, amerikanisch und kenianisch waren und leckeren Nachtisch, sowie eine Käseplatte. Zum Frühstück konnte sich jeder ein Rührei nach seinem Geschmack zubereiten lassen. Wir fanden das Essen toll und haben uns nach einer Mahlzeit stets schon auf die nächste gefreut! Die kenianischen Mitarbeiter waren alle sehr freundlich, was umso mehr dazu beigetragen hat, dass man sich rundum wohl fühlen konnte

Von der Lodge aus ging es mit dem Safari Bus in den Buffallo Springs Nationalpark und den Samburu Nationalpark, die nur durch den Ewaso Nyiro Fluss getrennt sind. Hier sahen wir viele Tiere, ich denke, die Bilder sprechen für sich! Es war wirklich klasse, die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen.

























Nach drei Tagen ging es für uns weiter zum Lake Nakuru (Nakuru See). Auf dem Weg dorthin haben wir an den Thompson-Falls (Wasserfällen) Mittag gegessen, entspannt und den tollen Wasserfall bewundert. 


Am Lake Nakuru haben wir eine Nacht in einer Lodge verbracht und im Nakuru Nationalpark vor allem viele Vögel und eine Nashornfamilie ganz nah gesehen!









 











Die letzte spannende Etappe unserer Reise führte uns in die für Safaris sehr beliebte Maasai Mara, die in Tansania direkt in die berühmte Serengeti übergeht. Hier wohnten wir in einer „Zelt-Lodge“, die nicht weniger luxuriös ausgestattet war als unsere vorherigen Lodges. Die Maasai Mara ist sehr bekannt für ihre vielen Tiere und vor allem für ihre „Big-Five-Garantie“. 
Wir haben hier tatsächlich alle großen Fünf aus Afrika gesehen: Löwen, Leoparden, Büffel, Nashörner und Elefanten. Aber auch viele andere Tiere wie Geier, Geparden, Giraffen, Dikdiks, Antilopen, Gazellen, einen Schakal und eine Hyäne. Im Gegensatz zur eher trockenen Samburu-Region ist die Maasai Mara sehr fruchtbar und grün. Das ist wohl auch der Grund, warum man hier fast immer und überall Tiere sieht. Wir können uns jedenfalls wirklich nicht beschweren: Wir haben insgesamt sehr viele Tiere in ihrem (vom Menschen deutlich eingeschränkten) Lebensraum gesehen, die wir nur aus dem Zoo kannten.














Am letzten Tag fuhren wir nach Nairobi zurück, verbrachten noch einen Tag dort und abends brachte ich meine Familie zum Flughafen. Der Abschied war traurig – ich hatte mich wochenlang auf den Besuch aus Deutschland gefreut und jetzt war er einfach so vorbei.

Alles in Allem hat uns dreien die Safari jedenfalls gut gefallen und am Ende schienen meine beiden Gäste sich auch schon viel wohler in Nairobi zu fühlen als am Anfang der Reise. Ich hoffe sehr, sie konnten ein bisschen nachfühlen, warum ich dieses Land so liebe. In einem stimmen sie mir aber sicher zu: Kenia ist eine Reise wert (schon wegen des tollen Zertifikats, das man bekommt, wenn man den Äquator überquert)!!