So. Jetzt aber. Ich weiß, diesmal habe ich
wirklich lange gebraucht, dafür habe ich aber gute Gründe: Im Februar hatte ich
Besuch von meinem Papa und meiner Schwester und danach von einer Freundin aus
Deutschland. Mit meiner Familie habe ich eine Safari gemacht, von der ich euch
diesmal gerne ein paar Bilder zeigen möchte.
Es ist mir gegenüber angedeutet worden, dass
mein Blog den Anschein erwecke, dass ich ständig unterwegs bin. Das stimmt
natürlich nicht! Naja, in letzter Zeit schon ein bisschen, aber mein Alltag ist in
meinem Blog insgesamt wirklich ein bisschen zu kurz gekommen. Ich glaube, das
liegt nicht zuletzt daran, dass ich mich mittlerweile ziemlich gut eingelebt
habe und mir nicht mehr jede Kleinigkeit berichtenswert erscheint. Ich weiß
aber natürlich, dass das bei euch anders ist, da ihr ja immernoch nur einen
kleinen Einblick in mein Leben hier habt. Ich verpreche, in den nächsten
Monaten mehr über meine Arbeit im Waisenhaus und meinen Alltag in Kenia zu
berichten! Übrigens könnt ihr natürlich gerne kommentieren und euch Themen
wünschen oder Fragen stellen. Gerne auch per email. Außerdem will ich wieder einmal auf die Blogs der
anderen Freiwilligen verweisen, die teilweise (Sonia z.B.) ihren Blog noch viel
mehr pflegen als ich.
Trotz Allem finde ich, dass ich euch die
schönen Bilder der Safari nicht vorenthalten sollte. Wundert euch nicht, wenn
mein Papa und meine Schwester nicht auf den Bildern zu sehen sind, sie haben
mich ausdrücklich darum gebeten, keine Bilder von ihnen zu veröffentlichen.
Ich hatte mich sehr auf den Besuch meiner
Familie gefreut und war sehr aufgeregt und vor allem gespannt, was sie zu dem
Land sagen würden, das für mich schon längst zu einer zweiten Heimat geworden
ist. Ich habe schließlich schon längst eine ganz andere Sicht auf viele Dinge
hier als jemand, der gerade erst angekommen ist. Außerdem hat jemand, der weiß,
dass er „nur“ für eine 10-tägige Safari in Kenia ist, einen ganz anderen Blickwinkel
als all die Freiwilligen, die mehr oder weniger lange hier sind und hier leben.
Nicht urlauben
Die Wiedersehensfreude am Flughafen war groß
und die Fahrt zum Hotel lang. Berufsverkehr eben. Das Safaripark Hotel, in dem
wir die drei ersten Tage unserer Safari verbrachten, ist eines der besten
Hotels Kenias. Die Anlage ist wunderschön, wir haben die Zeit am Pool und im
Restaurant sehr genossen und richtig die Seele baumeln lassen. Meine Schwester
Sarah und mein Papa mussten sich erst einmal an die Hitze hier in Kenia
gewöhnen. Ein Sprung von um die 0°C auf 30°C steckt ein normaler Mensch nicht
so einfach weg. Aber der Pool und das kühle Tusker haben sehr geholfen. Tusker
ist eine hier weit verbreitete kenianische Biersorte. Mein Papa und meine
Schwester waren gleich angetan davon. Deutschland ist nicht die einzige
Biernation in dieser Welt! In Kenia wird viel und gerne Bier getrunken. Zu
Recht.

Viel Zeit zum Ausruhen blieb uns jedoch nicht,
denn gleich am ersten Tag nach der Ankunft ging es für uns drei ins „Watoto Wema
Centre“ in Ruai – meine Einsatzstelle. Schon die Fahrt dorthin war für meine
Gäste eine interessante Erfahrung: Wir sind ganz kenianisch mit dem Bus
(Matatu) und dem Motorradtaxi (Pikipiki) gefahren. Die Straßen hier sind oft
holpriger als in Deutschland und auch die Häuser, die man aus dem Fenster
sieht, sehen anders aus als ich es aus Europa kenne.
Meinem Papa
ist ein wirklich schönes Foto vom Inneren eines Matatus gelungen. So müssten die
Busse in Deutschland doch mal aussehen! Und das mit guter lauter Musik!
Während der Fahrt unterhielten wir uns über die Lebensumstände,
die sich hier zum Teil doch sehr von den Lebensumständen der meisten Europäer unterscheiden.
Ich finde die Lebensumstände hier nicht prinzipiell schlechter oder besser als
in Deutschland. Ich verzichte gerne auf Schnee und kalte Füße im Winter, grimmige
Gesichter, weil der Bus zwei Minuten zu spät kommt, vermeintlich höfliche
Reserviertheit und Maulen, weil der Lieblingsjogurt samstags abends um 21:51
Uhr ausverkauft ist. Meiner Meinung nach findet man all das in Deutschland
häufiger als hier in Kenia. Mir kommen das Leben hier oft unkomplizierter und
die Menschen nachsichtiger und lockerer vor als in Deutschland, wo mir die
Gesellschaft insgesamt verbissener, verwöhnter, pessimistischer und kleinlicher
erscheint. Ich selbst merke, dass ich hier gelassener und lebensfreudiger
geworden bin. Ich versuche für mich selbst einen guten Mittelweg zwischen „kenianischer“
Gelassenheit und „deutscher“ Ordnung und Organisation zu finden.
In Ruai habe ich meiner Familie dann stolz
„mein“ Waisenhaus präsentiert. Die Kinder sind weiße Besucher hier durchaus
gewohnt, haben sich aber dennoch sehr über mitgebrachte Faschingsdekorationen
und Süßigkeiten gefreut!
Abends waren wir bei meiner Gastfamilie zum
Essen eingeladen. Es gab leckere kenianische Gerichte: Reis, Ugali (Maisbrei),
Ndengu (Linsen), Eintopf mit
Rindfleisch, Sukuma (ähnlich wie Spinat) und Spinat, Githeri (Bohnen und Mais),
vegetarischen Eintopf und zum Nachtisch Obstsalat. Es hat uns allen gut
geschmeckt und wir haben es geschafft, fast alles leer zu essen.
Nach zwei Tagen in Nairobi ging die Safari so
richtig los. Unsere Reisegruppe bestand aus zwei Bussen mit fünf und sechs Personen. Wir
teilten uns den Bus mit einem älteren Ehepaar aus Österreich, im anderen Bus
fotografierten drei Ehepaare aus Deutschland. Das Wort „Safari“ ist übrigens
Swahili und bedeutet im eigentlichen Sinne einfach „Reise“. Tiere und
Fotokameras sind hier nicht obligatorisch.
Unsere Safari führte uns zuerst in eine
Mountain Lodge am Fuße des Mount Kenya. Hier hatten wir aus dem Fenster einen
guten Blick auf ein Wasserloch, an dem Antilopen und Büffel grasten und
tranken. Abends sahen wir außerdem eine Manguste, ddie durch das Futter, das
ein Mitarbeiter des Hotels auf einem hohen Holzgestell angebracht hatte,
angelockt wurde. Leider ist uns von dem frechen Affen, der uns einen Besuch in
unserem Zimmer abgestattet hat, kein gutes Foto gelungen.

Am Abend gingen wir alle sehr aufgeregt
schlafen, denn wir sollten vom Hotelpersonal geweckt werden, wenn Hyänen,
Warzenschweine oder gar Elefanten oder Löwen zum Wasserloch kämen. Leider haben
wir alle friedlich durchgeschlafen und nie erfahren, ob die Tiere in dieser Nacht
tatsächlich keinen Durst hatten oder man uns nicht geweckt hatte. Etwas schade
war es schon.
Schon am nächsten Tag ging es für uns weiter
in die Region der Samburu in die Nähe von Shaba. Hier verbrachten wir drei
Nächte in einer wunderschönen Lodge direkt am Uaso Nyiro Fluss.
Das Essen in dieser Lodge (wie auch in den
anderen Lodges) war sehr gut! Es gab immer ein schönes Salatbuffet, sehr
leckere Suppen, viele unterschiedliche Hauptspeisen, die europäisch,
amerikanisch und kenianisch waren und leckeren Nachtisch, sowie eine
Käseplatte. Zum Frühstück konnte sich jeder ein Rührei nach seinem Geschmack zubereiten
lassen. Wir fanden das Essen toll und haben uns nach einer Mahlzeit stets schon
auf die nächste gefreut! Die kenianischen Mitarbeiter waren alle sehr
freundlich, was umso mehr dazu beigetragen hat, dass man sich rundum wohl
fühlen konnte
Von der Lodge aus ging es mit dem Safari Bus
in den Buffallo Springs Nationalpark und den Samburu Nationalpark, die nur
durch den Ewaso Nyiro Fluss getrennt sind. Hier sahen wir viele Tiere, ich denke,
die Bilder sprechen für sich! Es war wirklich klasse, die Tiere in ihrer
natürlichen Umgebung zu sehen.
Nach drei Tagen ging es für uns weiter zum
Lake Nakuru (Nakuru See). Auf dem Weg dorthin haben wir an den Thompson-Falls (Wasserfällen)
Mittag gegessen, entspannt und den tollen Wasserfall bewundert.
Am Lake Nakuru haben wir eine Nacht in einer
Lodge verbracht und im Nakuru Nationalpark vor allem viele Vögel und eine
Nashornfamilie ganz nah gesehen!
Die letzte spannende Etappe unserer Reise
führte uns in die für Safaris sehr beliebte Maasai Mara, die in Tansania direkt
in die berühmte Serengeti übergeht. Hier wohnten wir in einer „Zelt-Lodge“, die
nicht weniger luxuriös ausgestattet war als unsere vorherigen Lodges. Die
Maasai Mara ist sehr bekannt für ihre vielen Tiere und vor allem für ihre
„Big-Five-Garantie“.
Wir haben hier tatsächlich alle großen Fünf aus Afrika
gesehen: Löwen, Leoparden, Büffel, Nashörner und Elefanten. Aber auch viele
andere Tiere wie Geier, Geparden, Giraffen, Dikdiks, Antilopen, Gazellen, einen
Schakal und eine Hyäne. Im Gegensatz zur eher trockenen Samburu-Region ist die
Maasai Mara sehr fruchtbar und grün. Das ist wohl auch der Grund, warum man
hier fast immer und überall Tiere sieht. Wir können uns jedenfalls wirklich
nicht beschweren: Wir haben insgesamt sehr viele Tiere in ihrem (vom Menschen
deutlich eingeschränkten) Lebensraum gesehen, die wir nur aus dem Zoo kannten.
Am letzten Tag fuhren wir nach Nairobi zurück,
verbrachten noch einen Tag dort und abends brachte ich meine Familie zum
Flughafen. Der Abschied war traurig – ich hatte mich wochenlang auf den Besuch
aus Deutschland gefreut und jetzt war er einfach so vorbei.
Alles in Allem hat uns dreien die Safari
jedenfalls gut gefallen und am Ende schienen meine beiden Gäste sich auch schon
viel wohler in Nairobi zu fühlen als am Anfang der Reise. Ich hoffe sehr, sie
konnten ein bisschen nachfühlen, warum ich dieses Land so liebe. In einem
stimmen sie mir aber sicher zu: Kenia ist eine Reise wert (schon wegen des tollen Zertifikats, das man bekommt, wenn man den Äquator überquert)!!