Dieses Weihnachten war für mich ganz anders als alle Weihnachten bisher. In der Adventszeit kam bei mir wenig Weihnachtsstimmung auf, was mit Sicherheit nicht zuletzt an den warmen Temperaturen in Nairobi lag. Außerdem blieb der vorweihnachtliche Stress aus, der sonst durch hektisches Geschenkesuchen und -einkaufen oder Stress in Schule oder Uni hervorgerufen wird. Die Weihnachtslieder, die laut in Supermärkten oder manchmal auch in Matatus gespielt wurden, habe ich trotzdem immer leise oder auch etwas lauter mitgesummt.
Trotz des Mangels an vorweihnachtlicher Stimmung und obwohl ich meine Familie in diesen Tagen schon vermisst habe, hatte ich insgesamt ein schönes Weihnachtsfest in diesem Jahr!
Richtig fing es für mich an, als wir, das heißt, ein paar andere Freiwillige und ich, am 22.12 bei der Gastfamilie von Nora deutsche Weihnachtsplätzchen gebacken haben. Schon das Einkaufen war lustig - wir haben bei den Verkäufern für einige Verwirrung gesorgt, als wir nach Vanillezucker gefragt haben! Die Vanillekipferl sind allerdings auch mit normalem Zucker und Vanillearoma 1 a geworden!
Plätzchen gibt es hier in Kenia so nicht. Ebensowenig wie Lebkuchen, Stollen, Adventskalender, Schnee, geschmückte Häuser, Lichterketten (außer in Supermärkten) und Weihnachtsmärkte. Selbst Geschenke sind zu Weihnachten nicht üblich. Stattdessen werden vor Weihnachten oft neue Kleider gekauft, mit welchen man sich an den Feiertagen im Fotostudion fotografieren lässt. Auch das viele Essen und der Besuch von Verwandten und der Kirche ist in Kenia nicht anders als bei uns. Trotzdem hatte ich insgesamt das Gefühl, das Weihnachten hier eine weniger große Rolle spielt als bei uns. An den Feiertagen waren Geschäfte geöffnet, viele Menschen auf den Straßen und das Thema "Weihnachten" tauchte in der Adventszeit längst nicht so häufig im Alltag auf wie bei uns.
Ich habe die Feiertage weniger mit meiner Famile als mehr mit Freunden und den Kindern aus meinem Projekt verbracht. Trotzdem wollte ich meinen Gasteltern gerne eine Freude machen - obwohl Geschenke wie gesagt nicht so eine große Rolle spielen wie bei uns in Deutschland. Also habe ich mich letzte Woche zum Weihnachtsshopping auf den Weg gemacht und bin auch schnell fündig geworden. Für meine Gastmama habe ich ein Tupperware - Set gekauft, da mir aufgefallen ist, dass sie meist die Margarine-Dosen ausspült und zum Aufbewahren von Resten im Kühlschrank benutzt. Sie hat sich sehr gefreut. Noch mehr gefreut hat sich allerdings mein Gastpapa, für den ich eine Flasche Jamaika-Rum gekauft hatte. Den hat er sofort geöffnet und mit seinem Sohn getestet.
Der Sohn meiner Gasteltern lebt seit vielen Jahren in den USA und ist im
Moment mit seiner Frau und seinem vierjährigen Sohn Kennedy zu Besuch.
Für Kennedy ist dies der erste Besuch in Kenia. Er hat schnell Freunde
in der Nachbarschaft gefunden und verbringt auch gerne Zeit mit mir in
unserem momentan gemeinsamen Zimmer. Richtig voll ist das Haus aber,
wenn zusätzlich noch die beiden Mädchen von der Tochter meiner
Gasteletern aus Nairobi zu Besuch sind. Mwikali ist 1,5 Jahre und Wandia
ist 3 Jahre alt. Die Kids sind zum Knuddeln süß, halten uns alle
aber auch ganz schön auf Trapp! Sie sind alle drei so verliebt in mich,
dass ich kaum eine ruhige Minute habe, wenn ich zu Hause bin und die
drei hier sind. Am liebsten spielen sie mit meinen Sachen, probieren
meine Schuhe an oder wollen mein Handy zum Spielen benutzen. Ich mag
alle drei sehr gerne und spiele gern ab und zu den "Babysitter".
Zurück zu Weihnachten in Nairobi. An Heilig Abend sind wir mit einer Gruppe von Freiwilligen und zwei kenianischen Freunden in mein Lieblings- Restaurant gegangen und haben uns die Bäuche mit wunderbarem Essen vollgeschlagen. Das Restaurant "Asmara" ist ein eriträisch-äthiopisches Restaurant, das ich seit meiner Ankunft in Kenia schon an die 20 mal besucht habe. Das Essen, das man hier bekommt, besteht aus einem sehr leichten weichen Brot und vielen Beilagen, die entweder Fleisch und Gemüse oder nur Gemüse und Hülsenfrüchte enthalten. Für eine Platte, die man sich zu zweit teilt, bezahlt man hier entweder 270 KSH (etwa 2,70€) oder 430 KSH (etwa 4,30€), je nachdem ob man Fleisch essen möchte oder nicht. Ein Restaurant mit diesem Essen gibt es übrigens auch in Frankfurt - ich kann es nur empfehlen!
Nach dem Restaurant-Besuch sind wir zu Anna, einer deutschen Freiwilligen, in die Gastfamilie gegangen, haben Plätzchen gegessen, Geschenke gewichtelt und zum krönenden Abschluss "Kevin allein in New York" - DEN Kult-Weihnachtsfilm angeschaut. Anna hatte wunderschön weihnachtlich geschmückt und uns sogar selbst gemachten sehr leckeren Glühwein serviert. Dieser Abend war wirklich gelungen, weihnachtlich und (fast) wie zu Hause.
Den ersten Weihnachtsfeiertag habe ich im Watoto Wema Centre verbracht. Wir hatten Besuch von ein paar jungen Kenianern, die bei der Kirche ehrenamtlich tätig sind und zu Weihnachten gerne den Kindern unseres Centres einen schönen Tag bereiten wollten. Sie hatten Spiele vorbereitet, die wir draußen auf dem Feld vor dem Centre gespielt haben. Wir hatten alle viel Spaß! Die Sonne hat so geknallt, dass ich mir einen Sonnenbrand geholt habe. An Weihnachten!
Außer den Spielen gab es ein "Kino" mit Computer und Projektor, in dem die Kinder Filme schauen konnten. Den Beamer hatten wir schon einmal aufgebaut vor ein paar Tagen und haben zusammen mit den Kids "Shrek" geschaut.
Später gab es ein wundervolles Mittagessen mit Reis, Chapati, Nudeln, Stew und Krautsalat von einem Catering-Service, dessen Mitarbeiter das Essen frisch in unserer Küche zubereitet haben. Zum Nachtisch gab es Obstsalat und sogar Eis! Das Geld hierfür wurde von einer Freiwilligen aus Mexiko gespendet, die vor zwei Monaten ein paar Wochen im Centre gearbeitet hat. Als Geschenk von den Freiwilligen gab es für die Kinder Märchenbücher, die allerdings lange nicht so spannend waren, wie die Süßigkeiten und das Eis. Ich glaube, alle Kinder des Centres hatten einen schönen Tag!
Am Abend des ersten Feiertages hat uns ein kenianischer Freund eingeladen, den Abend mit ihm in einem Restaurant/Bar/Club (das ist hier manchmal etwas schwer auseinander zu halten) in Kasarani zu verbringen. Kelsey, eine deutsche Freiwillige aus dem Watoto Wema, und ich haben uns also auf den Weg gemacht und wurden nicht enttäuscht. Die Stimmung war gut, das Bier zwar etwas teurer als in Buruburu, aber trotzdem hatten wir viel Spaß beim Tanzen und natürlich beim kulturellen Austausch zwischen jungen Menschen aus Deutschland und jungen Menschen aus Kenia ;)
Da wir unsere Betten erst wiedergesehen haben, als es draußen schon hell war, habe ich den zweiten Weihnachtsfeiertag größtenteils verschlafen.
Obwohl weder das Ausgehen noch das Arbeiten bei mir üblicherweise zum Programm an den Weihnachtsfeiertagen gehört, bin ich mit diesem Weihnachten sehr zufrieden und freue mich schon ganz doll auf den Urlaub an der Küste, wo ich mit vielen anderen Freiwilligen Silvester verbringen werde.
Ich hoffe, ihr hattet auch alle schöne Weihnachten. Ich wünsche euch einen guten Rutsch ins neue Jahr 2013, in dessen Verlauf ich mich wohl auch mal wieder in Deutschland blicken lassen werde.
Am 25.11. morgens um 9 Uhr war es endlich so weit: Elf
Deutsche und zwei Kenianer machten sich
von Nairobi auf den weiten Weg nach Kisumu, genauer gesagt nach Ahero, um dort
ein 10-tägiges Workcamp zu besuchen. Schon im für uns gemieteten Shuttle-Bus
hatten wir jede Menge Spaß und haben uns, wenn wir nicht gerade gedöst haben,
mit lustigen Spielchen bei guter Laune gehalten.
Auf dem Weg durch das Rift Valley gab es allerdings auch
viel zu sehen. Die Schönheit Kenias hat uns mal wieder mit voller Wucht
umgehauen, als wir von einem Aussichtspunkt auf das Tal, das die „Wiege der
Menschheit“ genannt wird, hinunterblicken konnten. Im Rift Valley soll der erste
Urahn des heutigen Menschen gefunden worden sein.
Nach etwa sechs Stunden fahrt erreichten wir unsere Bleibe
für die kommenden 10 Tage. Wir konnten auf dem Grundstück einer Familie in
unserem eigenen Haus wohnen. Schon am ersten Abend machten wir Bekanntschaft
mit unseren Gastgebern, anderen Mitgliedern der Community „Nyando C.B.O.“, für
die wir die nächsten Tage arbeiten sollten, und kenianischen Freiwilligen aus
der Umgebung, die uns bei der Arbeit unterstützen sollten.
In unserem Haus gab es drei Räume, zwei kleine für die
Mädels und einen großen für die Männer. Da wir aber weitaus mehr Frauen als
Männer waren, schlugen Sonia und ich unser Lager in dem großen Raum der Jungs
auf. Da die Umgebung von Kisumu ein Malaria-Gebiet ist, hatten wir (fast) alle,
unsere Moskitonetz dabei, die einige von uns in Nairobi nicht benutzen.
unser Haus
das Haus unserer Gastgeber
Tag 2 Montag
Am ersten Arbeitstag wurden wir offiziell und
sehr herzlich von den Mitglieder der Community willkommen geheißen. „Nyando
C.B.O.“ hilft Familien der Community (engl. Gemeinschaft), die kleine Kredite
brauchen, um ihr eigenes kleines Unternehmen aufzubauen, bewirtschaftet Felder,
hält Tiere und hat ein Waisenhaus für Waisen aus der Umgebung aufgebaut.
Unser Job für den ersten Tag war es, Löcher zu
graben, in die Bäume und andere Pflanzen gepflanzt wurden. Diese Arbeit ist anstrengend,
das kann ich euch sagen! Vor allem bei 25-30° Hitze! Ich hatte meine erste
Blase nach 10 Minuten. Ein bisschen frustrierend ist es schon, wenn man für ein
Loch 20 Minuten braucht, während die kenianischen Freiwilligen neben uns das
gleiche Loch in 3 Minuten ausgehoben haben. Aber eigentlich macht das überhaupt
nichts, da wir keine Eile und trotzdem jede Menge Spaß hatten!
Abends hatte das „Entertainment-Komitee“
(engl. Unterhaltung) unter den Freiwilligen ein Lagerfeuer und lustige Spiele
für die Gruppe organisiert. Bei dem allseits bekannten und beliebten Spiel
„Wahrheit oder Pflicht“ hatten Kenianer und Deutsche gleichermaßen viel Spaß!!! Hier sind Sonia und Anna gerade dabei, Clemens eine Runde um den Sitzkreis zu tragen.
Tag 3 Dienstag
Heute haben wir die Bäume bewässert, die wir
gestern gepflanzt haben. Das Wasser dafür haben wir aus dem nahegelegenen
Fischteich geschöpft. Heute war ich froh, dass ich mir gleich den etwas
einfacheren Job des Wasser-in-Kanister-Schöpfens gesichtert habe, denn Kanister
tragen gehört nicht zu meinen Stärken („Stärken“ im wahrsten Sinne des Wortes).
Außerdem haben wir Gras geschnitten und ein Feld umgegraben. Was auf dem Feld angepflanzt werden soll, haben wir nicht erfahren, wir haben aber den leisen Verdacht, dass das Feld schon einmal umgegraben wurde, ohne dass etwas gepflanzt wurde und wir es nun wieder umgegraben haben, ohne dass etwas gepflanzt werden wird. Aber was solls's, für uns war die Arbeit auf dem Feld so oder so eine neue und interessante Erfahrung!
Nachmittags sind wir alle zusammen in das fünf
Kilometer entfernte Ahero gelaufen, wo es einen Markt und nette kleine Cafés
gibt. Als wir ankamen waren wir lauf-faulen Deutschen allerdings schon so
geschafft, dass wir für den Markt kaum noch Augen hatten und uns erst einmal
ein kaltes Getränk und eine Verschnaufpause gönnen mussten. Ich hatte mein
neues Lieblingsgetränk: Krest. Eine Bitter-Lemon-Limonade der CocaCola Company.
Die meisten Mitglieder unserer lustigen Runde hatten aber das
deutsch-kenianische Freundschaftsgetränk: Bier.
Lustig übrigens ein kleines Detail in diesem
Bild hinten links: ein NSYNC-Plakat! Kennt ihr die Band noch?
Tag 4 Mittwoch
Am Mittwoch morgen gab es ein kleines
Highlight: blaue Pfannkuchen! Im Camp haben wir selbst gekocht und an diesem
Tag haben wir uns einen kleinen Spaß erlaubt. Lena hatte Lebensmittelfarbe
dabei und so konnten wir blaue Pfannkuchen backen. Unsere kenianischen Freunde
haben über unseren Erfinderreichtum nur den Kopf geschüttelt. Lucas, unser
Campleiter von CIVS kommentierte: „Deutsche muss man am besten einfach machen
lassen, was sie wollen. Wenn sie blaue Pfannkuchen haben möchten, lass sie
blaue Pfannkuchen backen. Wenn sie Erdnussbutter in ihrem Kohlgemüse haben
wollen, lass sie Erdnussbutter dazugeben.“ Der interkulturelle Austausch hat in
diesem Workcamp eindeutig ein neues Hoch erreicht! Besonderen Spaß hatten wir
dabei, deutsche Ausdrücke 1 zu 1 eins englische zu übersetzen, ob es Sinn ergab
oder nicht. Lucas und Erick, ein kenianischer Freiwilliger aus Kisumu, fanden
es super lustig, als sie gefragt wurden „What do you think about the beans?“
(dt. „Was denkst du über die Bohnen?“ ), als wir wissen wollten, ob die Bohnen
wohl schon weich genug gekocht waren oder „Was is happening to the bread?“ (dt.
„Was passiert mit dem Brot?“) als eine Deutsche wissen wollte, ob die Brote
noch mit Margerine bestrichen werden sollten oder nicht. Allerdings muss an dieser Stelle erwähnt
werden, dass auch Kenianer auf Grund ihres Swahili-Hintergrundes einiges im
Englischen anders ausdrücken, als wir es gewohnt sind. Zum Beispiel wird man
manchmal gefragt, ob man jemandem mit einem Stift o.ä. helfen kann („Can you
help me with the pen?“), was eine Übersetzung aus dem Swahili ist und so viel
bedeutet wie „Hast du mal einen Stift für mich?“ oder auch „Könntest du mir mit
einem Stift aushelfen?“.
Ich schweife ab. Am Mittwoch wartete eine neue
Herausforderung auf uns: Wir durften das Haus einer Großmutter der Community
reparieren, ihr Grundstück ein wenig auf Vordermann bringen und Feuerholz sammeln. Um das Haus zu
reparieren brauchten wir Matsch. Dafür haben wir von der einige Meter
entfernten Wasserstelle Wasser geholt, auf einem Stück Feld etwas Erde
aufgelockert und mit dem Wasser gut vermischt. Danach ging die Matsch-Schlacht
los. Wir hatten so viel Spaß dabei, ihr könnt es euch bestimmt vorstellen!
Danach sahen wir alle aus wie kleine Ferkel nach dem Suhlen im Dreck, aber hatten doch
das Gefühl, etwas Sinnvolles geschafft zu haben. Außerdem ist es ja kein Problem, sich nach getaner Arbeit einfach schnell wieder mit sauberem
Wasser abzuwaschen.
Als wir wieder am Haus ankamen, regnete es in
Strömen. Eine der Hennen suchte mit ihren Küken unter unserem Tisch vor dem
Haus Schutz. Es gibt viele Tiere hier auf dem Grundstück: Hühner, die besonders
gerne beim Abwasch helfen, Hunde, die besonders gerne beim Essen helfen und
Kühe, die besonders gerne faul rumliegen.
Zum Abendessen hatten wir Chapati, eine Art Pfannkuchen, die man mit Kohl, Sukuma wiki, Bohnen oder Stew isst. Sie sind recht aufwendig zu machen, hier ist gerade Jonas am Kneten und Rollen.
Später gab es wieder lustige Spiele für die
ganze Gruppe. Bei diesem Spiel bekommt jeder eine Farbe des Kartensets
zugeordnet (Herz, Karo, Pik, Kreuz) und muss immer dann einen Platz weiter
rücken, wenn der Spielleiter eine Karte „seiner“ Farbe aufdeckt. Natürlich
sitzen schon nach kurzer Zeit alle
Teilnehmer übereinander – ein super Spiel, um sich langsam aber sicher näher zu
kommen. Den Höhepunkt erreichte der Abend aber bei dem Spiel „I love you“ – „I
don’t love you“ (dt. „Ich liebe dich“ – „Ich liebe dich nicht“): Ein
Freiwilliger steht in der Mitte des Kreises, wählt einen Mitspieler aus dem
Kreis aus und gesteht diesem seine
Liebe. Dabei muss er den Mitspieler, der ihm versicher muss, dass er ihn nicht
liebt, versuchen, zum Lachen zu bringen. Der Spaß und die Lacher sind
vorprogrammiert!! Ebenso wie bei dem letzten Spiel „Gordischer Knoten“, bei dem
Händchenhalten und kuscheln ein Muss sind!
Tag 5 Donnnerstag
Am Donnerstag wurde unser Können in Sachen
Hausbau noch einmal gehörig auf die Probe gestellt. Dieses Mal mussten wir ein
Haus, das bei unserer Ankunft nur aus einem Holzgestell bestand, komplett mit
Matsch verkleiden. Das alte Haus der Bewohnerin war bei einem Sturm zerstört
worden. Sie wohnte bis jetzt in einer kleinen Wellblechhütte, die eigentlich
nur als Küche dienen sollte.
Auf dem Weg zum Haus kamen wir an einer Stelle vorbei, an der gerade von zwei Männern ein Brunnen gegraben wurde. Ein Mann steht dabei unten im Brunnen, schaufelt und füllt die Erde in einen Eimer, den sein Kollege dann nach oben zieht. Ganz schön gruselig, da unten im Dunkeln zu arbeiten, viele Meter unter der Erde, nur mit ein paar Stufen in der Wand, die einen mit der Welt oben verbinden. Ich war jedenfalls froh, dass wir ein Haus bauen und keinen Brunnen graben mussten!
Unsere Aufgabe war es nun zuerst wieder,
Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen, um Matsch herstellen zu können. Dieser
Arbeit ist sehr mühsam und vor allem zeitaufwendig, weshalb die Gruppe der
Hausbauer oft auf Wasser-Nachschub warten mussten. Das Wasser wurde mit einem
Eimer aus dem Brunnen geschöpft, in Kanister gefüllt und die Kanister zum Haus
getragen oder mit einer Schubkarre transportiert.
Dann musste der Matsch
gestampft und zu den Hausbauern gebracht werden. Dort wurden dann „Ugali-Babys“
gerollt, so nannten die Kenianer die Matsch-Brocken, die mit beiden Händen
gerollt und in die Holzverkleidung gestopft wurden.
Das Haus vermatschen hat
viel Spaß gemacht, weil jeder mitmachen konnte, unabhängig von Kraft und Größe.
An diesem Tag aßen wir mittags nicht wie an den anderen Tagen vor unserem Haus,
sondern unter einem Baum in der Nähe unseres Kunstwerkes. Die dankbare
zukünftige Bewohnerin des neuen Hauses kochte für uns Ugali mit Kohl und
Githeri (Bohnen und Mais). Auch wenn sie mit ihrem Essen den Geschmack vieler
Deutschen Campteilnehmer nicht getroffen hat, spürten wir alle ihre Dankbarkeit
und waren froh über die Stärkung. Es ist ja kein Geheimnis, dass die meisten
von uns harte körperliche (Feld-) Arbeit nicht gewohnt sind!
Während der Mittagspause hatten wir ein wenig
Zeit, uns umzusehen. Ahero ist ein wunderschöner Ort! Sehr weitläufig und sehr
grün. Aloe Vera wächst hier in Meter hohen Sträuchern mit wunderschönen Blüten.
Sehr süß war auch die Eselfamilie, die nahe unserer Arbeitsstelle ihren
Familientag verbrachte und über das Abendprogramm diskutierte. Jedenfalls
nahmen wir an, dass sie das taten. Unser Eselisch ist nicht perfekt.
Nach der Mittagspause ging es munter weiter
mit dem Hausbau. Wir waren alle bis zur letzten Minute hochmotiviert – es war
toll, den Fortschritt zu sehen.
Am Ende des Tages hatten wir tatsächlich das
ganze Haus mit Matsch versehen und waren mächtig stolz auf uns! Ich glaube, für
viele war das der beste Arbeitstag des Workcamps!!
Tag 6 Freitag
Freitags war es unsere Aufgabe, die Bäume, die
wir montags gepflanzt hatten, mit Dornen und Stöcken vor den hungrigen Mäulern
der Kühe zu schützen. Leider waren die Blumen teilweise schon etwas
abgefressen, die Pflanzen lebten aber zum Glück alle noch. Wir fingen also an,
Stöcke und Äste zu zerkleinern und um die Pflanzen herum in den Boden zu
stecken. Danach schnitten wir Dornen, die hier über all wachsen, und legten sie
um die Stöcke. Jetzt waren die kleinen Bäumchen sicher! Wir schnitten noch
etwas Gras und machten für heute Feierabend, da wir alle noch von der Arbeit
der übrigen Woche geschafft waren. Wir freuten uns schon alle darauf, am
Wochenende nach Kisumu zu fahren und den Regenwald zu besuchen!
Tag 7 Samstag
Heute standen wir schon früh auf, um mit einem
Matatu nach Kisumu zu fahren. Unglücklicherweise streikten die Matatu-Fahrer
und Lucas musste einen privaten Bus für uns organisieren. Wir hingen also noch
etwas vor dem Haus rum, bis Lucas mit dem Bus zurückkam.
In Kisumu besuchten wir ein Restaurant, auf
das wir uns alle schon sehr gefreut hatten. Auf der Speisekarte stehen viele
deutsche und andere europäische Gerichte, ich hatte Cannelloni und Salat. Wenn
man unsere Gruppe fragt, was ihnen am meisten an Deutschland fehlt, sagt sie
mit Sicherheit: das Essen! Ein Dauerthema auf dem Workcamp war das Essen – wir
verbrachten Stunden damit, uns gegenseitig aufzuzählen, welches Essen wir am
meisten vermissten und was wir wohl als erstes essen würden, wenn wir wieder
zurück in Deutschland sind. Klar, dass wir dieses Restaurant feierten!
Nach dem guten Essen, das alle außer Sonia,
die mit einer leichten Malaria zu kämpfen hatte, in vollen Zügen genossen,
machten wir uns mit Tuktuks auf den Weg zum Lake Victoria, dem zweitgrößten
Süßwasser-See der Welt. Schon die holprige Fahrt war einfach nur lustig, wir
kamen uns vor wie bei einem Auto-, bzw. Tuktukrennen!
Die Fahrt auf dem See war wunderschön und sehr
entspannend. Vor allem der Sonnenuntergang, den wir genau abgepasst hatten, war
umwerfend. Wir hatten gehofft, die Flusspferde sehen zu können, die um diese
Uhrzeit eigentlich an Land gehen und fressen sollten, aber leider hatten sie an
diesem Tag wohl keinen Hunger. Wir waren etwas enttäuscht, aber trotzdem guter
Laune!
Nach der Bootsfahrt fuhren wir mit Motorrad-Taxis
(Pikipiki) zu einem Supermarkt und deckten uns für die Nacht mit Getränken und
Snacks ein. Vor dem Supermarkt ist dieses Bild von wunderschön-kitschiger
Weihnachtsbeleuchtung entstanden!
Danach ging es mit einem Bus, das eindeutig
weniger Sitze hatte, als wir Leute waren, in ein Workcamp in Kakamega, wo wir
die Nacht verbringen durften. Wir kamen erst spät an, haben uns einfach unter
die Freiwilligen dort gemischt, am Lagerfeuer gesessen, geschwatzt, getrunken
und unser Leben genossen.
Die Schlafplätze mussten wir uns dann irgendie
aufteilen, sodass auf diesen Matratzen im Endeffekt 10 Freiwillige mit 3
verschiedenen Nationalitäten schliefen.
Tag 8 Sonnntag
Nach einer viel zu kurzen Nacht von 2-4
Stunden wurden wir geweckt und machten uns auf den Weg zum „Sunrise-Walk“ (dt.
„Sonnenaufgang-Spaziergang“) in den Regenwald. Ab hier wurde es kompliziert. Am
Kopf der Gruppe lief der Workcampf-Leiter des Workcamps hier in Kakamega und
hinten lief der Guide (Leiter) der „Expedition“. Leider klappte die Kommunikation zwischen den
beiden nicht gut, sodass über die Hälfte der Gruppe, inklusive mir, den
Anschluss verlor und einem falschen Weg folgte. Die erste Gruppe war rechts
abgebogen, in dem Glauben, der Rest der Gruppe würde mit dem offiziellen Guide
folgen, während die letzte Gruppe zusammen mit dem Guide ebenfalls nach rechts
abbog. Wir aus der Gruppe dazwischen liefen aber munter weiter gerade aus, bis
uns dämmerte, dass etwas nicht stimmen konnte, da die Sonne bereits aufgegangen
war und wir den Sonnenaufgang doch eigentlich auf einem Hügel erleben sollten.
Wir
waren aus der Puste, enttäuscht und auf Grund des vielen Geldes, das wir an den
Guide bezahlt hatten, etwas ungehalten. Zum Glück kam der Guide aber noch und
nahm uns mit auf den richtigen Weg. Auf dem Hügel trafen wir die anderen
Gruppen unserer Gruppe. Der wunderschöne Ausblick stimmte uns wieder
versöhnlich und lies uns den Rest des Ausfluges doch noch richtig genießen. Der Sonnenaufgang über
dem Regenwald von Kakamega soll einer der schönsten der Welt sein. Da es an
diesem Morgen aber bewölkt war, können das auch die schnellen Gruppen, die früh
genug den Hügel erreicht hatten, nicht wirklich beurteilen.
Der Marsch durch den Regenwald der nach der
Pause auf dem Hügel war atemberaubend. Wir fühlten uns wie Tarzan und Mowgli
zugleich. Ich habe nie etwas Vergleichbares gesehen und weiß auch nicht, wann
ich es wieder sehen werde! Es ist unglaublich, dass der größte Teil dieses
Regenwaldes wieder neu gepflanzt werden musste, da er fast vollständig
abgeholzt worden war. Hier leben Schlangen, Schmetterlinge, Affen und was weiß
ich wie viele andere Tiere, die alle ihren Lebensraum verlieren, wenn es keine
Bäume mehr gibt, in denen sie sich verstecken können.
Auf dem Rückweg waren wir sehr dankbar, als
und ein Auto aufgelesen und zum Camp zurück gefahren hat. Wir waren alle
hundemüde und haben uns direkt wieder auf unsere Matratzen gelegt und
geschlafen, bis wir zum Essen gerufen wurden und uns letztendlich wieder auf
den Heimweg nach Ahero gemacht haben.
Wir werden wohl alle nie diesen ersten Advent
vergessen, an dem wir im Regenwald in Kakamega verloren gegangen sind!!!
Tag 9 Montag
Am letzten Tag vor der Heimreise gab es nichts
mehr für uns zu tun, außer unsere Sachen zu packen und uns von den netten
Menschen zu verabschieden, die wir hier kennen gelernt hatten. Abends wurde es
einigen Mädels dann aber doch so langweilig, dass sie auf verrückte Ideen
kamen. So entstanden die Fotos der Girlie-Gangster-Gang, die leider leider aus Jugendschutz-Gründen (und aufgrund des Rechts am eigenen Bild) nicht gezeigt werden dürfen ;)
Tag 10 Dienstag
Heute hieß es endgültig Abschied nehmen von
Ahero und den lieben Menschen, die uns die letzten 10 tage begleitet hatten.
Wir waren alle etwas bedrückt, da wir das Workcamp sehr genossen haben und auch
als Gruppe eine tolle Zeit zusammen hatten. Aber ob ihr es glaubt oder nicht:
Wir hatten alle Heimweh nach Nairobi!! Die beiden Tage Evaluations-Seminar, die
an das Workcamp anschlossen, zeigten, was mir bei mir persönlich schon lange
klar war: Wir alle haben uns unglaublich schnell hier eingelebt und fühlen uns
in Nairobi so zu Hause wie in unserer Heimatstadt in Deutschland. Keiner von uns
hatte in den letzten drei Monaten ernsthaftes Heimweh, wir genießen unser
weltwärts-Jahr in vollen Zügen (bzw. Matatus). Würde uns heute jemand
verkünden, dass wir morgen alle nach Hause fliegen müssen, wir würden diese
Person wohl auf der Stelle lynchen! Unser Platz ist hier in Nairobi, in Kenia,
bei unseren Freunden!!