Puh, es ist ja schon wieder eine Weile her, dass ich mich gemeldet habe. Mit gehts immernoch gut, ich bin immernoch in Nairobi und ich arbeite immernoch im Watoto Wema Center. Heute möchte ich euch ein paar News aus dem Center schicken, demnächst gibts mehr dazu, was außerhalb der Arbeit bei mir so abgeht.

Das Center entwickelt sich wunderbar. Es passiert viel, wird viel gebaut, gestrichen und gepflanzt. Vielleicht zuerst ein paar Neuigkeiten aus dem Außenbereich: Ihr erinnert euch bestimmt noch an den Beitrag über das Gartenprojekt zusammen mit den anderen weltwärts-Freiwilligen!? Das mit dem Garten ist im Watoto Wema so 'ne Sache. Prinzipiell findet es jeder gut und wenn Gemüse oder Obst da ist, wird es auch geerntet und gegessen.

Leider haben wir immernoch das Problem, dass viele Pflanzen nicht alt werden. Das liegt zum einen daran, dass Ziegen und Kaninchen sich manchmal über sie her machen, aber vor allem hat es mit dem Wasser zu tun. Das ist nämlich entweder zu viel oder zu wenig. Manchmal haben wir tagelang kein Wasser und das Wasser in den Tanks - das im schlimmsten Fall nachgekauft werden muss - reicht nur zum Kochen und Waschen. An solchen Tagen können wir nicht mal mit den Kindern Zähneputzen nach dem Mittagessen, geschweige denn Pflanzen bewässern. Die Pflanzen müssen also oft selbst schauen, wo sie bleiben. Während den verregneten Tagen im April und jetzt wieder im Juni liegt das Problem eher darin, dass kleine Pflänzchen einfach weggespült werden. Das ist echt schade, aber nur schwer in den Griff zu bekommen.

Für das Kaninchen-Problem ist jedenfalls eine gute Lösung gefunden worden: Wir haben einen nagelneuen selbstgebauten Kaninchenstall mit viel Platz für Nachwuchs hinter dem Schulgebäude. Das Geld dafür kam von Spendengeldern, die Mariolein, die Co-Managerin des Centers aus den Niederlanden gesammelt hatte. Wir hoffen, eine nette kleine Zucht aufbauen zu können, um ab und zu Fleisch für die Kinder zu haben.


Außer dem neuen Kaninchenstall haben wir auch eine neue Küche. Die alte Küche ist jetzt zu einem Klassenraum umfunktioniert worden (siehe unten). Sie ist schon seit Längerem nicht mehr benutzt worden, weil der Rauchabzug nicht richtig funktioniert hat und deshalb der Rauch oft ins Klassenzimmer gezogen ist. Bisher hat "mum" also hinter dem Schul- und Küchengebäude gekocht, in einem Raum, der nur durch Decken vom staubigen Umfeld abgetrennt war. Dank Susan, einer Freiwilligen aus den USA, die während ihrem zweiwöchigen Freiwilligendienst in Ruai viel Geld gespendet hat, haben wir nun also eine neue Küche mit richtigen Steinboden und Wänden.

Wie bereits erwähnt ist die alte Küche nun ein Klassenraum, in dem Lydias erste Klasse und die Vorschule bequem Platz haben. Auch hierfür hat Susan das Geld gespendet bzw. gesammelt. Auch ich habe nicht herumgesessen und Däumchen gedreht, sondern per email zum Spenden für das Center aufgerufen. Von diesem Geld wurden neue Tische und Bänke gekauft und gestrichen. Im Gegensatz zu Susan habe ich darauf verzichtet, meinen Namen groß darauf zu verewigen (siehe Wand).

Der neue Klassenraum ist jedenfalls spitze. Alle Kinder haben hier viel Platz zum lernen, spielen und erleben. Es gibt viele bunte Bilder an den Wänden und drei Tafeln. Teacher Lydia ist sehr dankbar für den neuen Klassenraum. Sie ist mit ihren 16 Schülerinnen und Schülern sehr beschäftigt und ist froh, dass die Kleinsten jetzt ihren eigenen Raum haben und nicht mehr durch die Großen beim Lernen gestört werden - und umgekehrt.

Auch die anderen Lehrerinnen haben jetzt mehr Platz für ihren Unterricht. In dem großen Klassenraum sind jetzt noch die Klassen zwei und drei. Das sind insgesamt 21 Schülerinnen und Schüler. Die zweite Klasse hat eine neue Lehrerin, nachdem Teacher Edwin uns vor ein paar Monaten verlassen hat. Sie heißt Teacher Edith und ist sehr nett. Die Kinder mögen sie und lernen fleißig. Sie ist links im Bild, hinten schreibt Teacher Grace der dritten Klasse etwas an die Tafel.
Hier noch ein paar Vorher-Nachher-Bilder zu den neuen Schulbänken. Da die Stühle und Tische während der Schulferien alle kaputt gegangen sind und als Feuerholz verwendet wurden, mussten die Kinder nach den Ferien zunächst auf den Yogamatten unterrichtet werden. Das war entweder sehr unbequem oder ein bisschen zu bequem, als dass die Kids gut hätten lernen können. Die Stühle, die wir vorher hatten, waren schon lange instabil und sind einer nach dem anderen zerbrochen. Während der Regenzeit hatten wir zudem einen so großen Mangel an Feuerholz, dass die Kinder oft nur trockenen Reis zum Mittag- und Abendessen bekamen, weil für einen zweiten Topf kein Feuerholz mehr zur Verfügung stand. Jetzt sind die neuen Bänke da, aber zu meiner Freude flattert immernoch die eine oder andere Spende für das Watoto Wema auf meinem Konto ein. Das ist natürlich toll, denn es warten noch viele andere Projekte auf das Center. Diesen Samstag wollen wir mit den Kindern einen Ausflug in den Uhuru-Park in Nairobi machen, dafür werden ich einen Teil der übrigen Spenden verwenden. Wir planen den Ausflug zusammen mit einer französischen Freiwilligen, die ebenfalls Spenden für das Center gesammelt hat. Wir tun alles dafür, den Kindern einen unvergesslichen Tag zu bereiten!
VORHER:
NACHHER im alten Klassenraum:
NACHHER in den neuen Klassenräumen:
Vielen Dank noch mal an alle Spenderinnen und Spender, die das Geld für die Bänke geschickt haben. An dem Tag, an dem sie geliefert wurden, waren alle inklusive der Lehrerinnen und des Heimleiters ganz aufgeregt. Als ich kam, fingen alle Kindern an zu murmeln, bis eines fragte, ob ich diejenige sei, die die Bänke gekauft hätte. Ich habe ihnen erklärt, dass viele nette Leute in Deutschland Geld geschickt hätten, damit ich für sie die neuen Schulbänke kaufen könnte. Die Kinder waren sehr beeindruckt. Seit diesem Tag lässt der Heimleiter keine Gelegenheit aus, zu erwähnen, dass ich diejenige gewesen sei, die die ganze Sache "ins Rollen" gebracht hätte. Das stimmt natürlich nur halb. Die Freiwillige aus den USA kam mit einer großen Bereitschaft ins Center, Dinge zu verändern und Geld auszugeben. Sie hat wirklich viel geholfen in der kurzen Zeit, in der sie hier war!

So. Was gibts noch neues? Einige neue Kinder, von denen ich euch das jüngste gerne kurz vorstellen möchte. Unsere Co-Managerin Mariolein lernte Fidel Maina zufällig kennen, als sie ein Kind aus dem Center im Krankenhaus besuchte. Der kleine Fidel war von seiner Tante ins Krankenhaus gebracht worden, nachdem er von seiner Mutter schwer misshandelt wurde. Letztendlich hatte sie ihm beide Arme gebrochen. Zu dieser Zeit sah Fidel schrecklich aus. Mariolein hat ihn regelmäßig besucht und ihm einen Platz im Watoto Wema Center organisiert. Seit zwei Wochen wohnt Fidel jetzt im Center und es geht ihm gut. Kaum zu glauben, dass diese Bilder alle das gleiche Kind zeigen, oder? Fidel ist sehr gesprächig und scheint ein cleverer kleiner Kerl zu sein. Wir hoffen alle, dass er sich weiterhin gut entwickelt und trotz des schwierigen Starts ein schönes langes Leben vor sich hat!
So, das war's für heute. Ich hoffe, euch geht es gut. Wir lesen uns bald. Passt auf euch auf, Gott segne euch!