Gestern war ich bei einer Beerdigung in der Nähe
von Thika, nicht weit von Nairobi. Ich habe Eric begleitet, ihn kenne
ich aus dem Workcamp im November, er war dort als kenianischer Freiwilliger
dabei. Evans war ein Kollege von ihm, sie haben zusammen für das „Africa Yoga
Project“ (http://www.africayogaproject.org/) Yoga in Schulen, Waisenhäusern und im Gefängnis unterrichtet. Er kam letzten Mittwoch bei einem Verkehrsunfall ums Leben, als ein Auto sein Motorrad seitlich rammte. Der Motorradfahrer liegt im Krankenhaus, der Autofahrer wurde verhaftet.
Evans war sofort tot. Er ist nur 28 Jahre alt geworden.
Eric und ich fuhren mit dem Bus zur Leichenhalle. Dort trafen wir andere Freunde, Kollegen und
Verwandte von Evans. Insgesamt müssen mindestens 250 Menschen auf der Beerdigung
gewesen sein. Viele hatten T-Shirts an, auf die ein Foto von Evans gedruckt war. Die T-Shirts hatte das Africa Yoga
Project (AYP) organisiert. Sie haben auch einen Großteil der Beerdigungskosten
übernommen. Die Stimmung war sehr gedrückt.
Nach den Gebeten und Liedern fuhren alle
zusammen mit gemieteten Bussen und privaten Autos in Evans Heimatort. Dort
waren auf einer Wiese drei große, an den Seiten offene Zelte mit Stühlen
aufgebaut und in der Mitte eines, in dem der Sarg stand. Die Zeremonie war
ergreifend, obwohl die Reden kurz waren. Keiner hat viele Worte, wenn ein so junger
Mensch so plötzlich aus dem Leben gerissen wird. Die Rede des Pastors war
humorvoll und es schien mir, als seien viele erleichtert, dass sie durch seine
Witze etwas zu lachen hatten zwischen dem vielen Weinen.
Nach den Reden
wurden alle anwesenden Gruppen am Sarg fotografiert: Evans Familie, seine
Kollegen vom Theater und von AYP, seine Freunde aus den Orten, an welchen er
Yoga unterrichtet hat.
Wir gingen alle
zusammen zum Grab auf dem Grundstück von Evans Familie. Der Sarg wurde herunter
gelassen, wir beteten und wer Kraft hatte zum Singen, stimmte in die englischen
und swahilischen Texte mit ein. Das Grab wurde gemeinschaftlich mit roter Erde
und Zement zugeschaufelt. Am Ende zierten es außerdem drei hübsche
Blumenkränze.
Nach der Bestattung
gab es für alle Gäste Mittagessen: Reis, Gemüse und Bohnen. Ein Fotograf hatte
die Gäste während des Tages fotografiert und die Fotos gleich vorort
ausgedruck. Sie konnten nun angesehen und für 50 cent pro Stück gekauft werden.
Ich habe ein paar Fotos gekauft und abfotografiert.
Obwohl ich Evans
kaum kannte, war für mich der Tag sehr traurig. Ich bete für Evans und seine
Familie, damit sie auch ohne ihn ihren Weg finden.


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