Heute ist der erste Oktober, das bedeutet, dass ich nicht
mal mehr 10 Monate in Nairobi verbringen werde. Im Moment habe ich das Gefühl,
dass die Zeit rennt. Vor kurzer Zeit habe ich noch gesagt, ich würde "fast ein
Jahr" in Kenia verbringen Jetzt dauert es nicht mehr lange und es ist schon
nur noch ein dreiviertel Jahr. Mir geht es super und Kenia gefällt mir immer noch
sehr gut. An manchen Tagen bin ich sehr genervt davon, dass ich auf der Straße (scheinbar)
alle Aufmerksamkeit auf mich ziehe und fremde Menschen mich begrüßen, mir die
Hand schütteln, mir etwas verkaufen oder anderweitig ihre Dienste anbieten
möchten. Aber diesen Umstand kann man wohl schwer ändern, deshalb werde ich
sicher lernen, damit umzugehen. Ich freue mich schon auf meinen ersten
Spaziergang durch Frankfurt, wo niemand besondere Notiz von mir nehmen wird!
Auch versuche ich nicht allzu paranoid zu sein, obwohl ich
schon von einigen Freiwilligen gehört habe, dass sie in Kisumu, Mombasa und in
Nairobi überfallen und/oder bestohlen wurden. Gerade auf dem Nachhauseweg habe
ich die Abkürzung, die zwischen den „courts“ hindurchführt und die ich sonst
tagsüber bedenkenlos benutze, gemieden, da sich dort einige Menschen versammelt
und laut gerufen haben. Ein junger Mann hielt sich seine Nase. Ich nehme an,
dass hier ein Dieb gefasst wurde.
An Zivilcourage mangelt es den Kenianern hier nicht, sobald
ein Bestohlener laut „Mwezi!“ („Dieb!“) ruft, rennen die Umstehenden, um den
Dieb zu fassen. Das kann manchmal bedenkliche Folgen für den Kleinkriminellen
haben. Weniger Zivilcourage bewiesen die Kenianer am Wochenende, als ein Paar
streitend die große Straße entlang lief, wobei der Mann seine Freundin mehrmals
ins Gesicht schlug. Die Kenianer, die mit uns unterwegs waren, erklärten uns,
dass es ohnehin nichts ändern würde und die Frau ihren Mann sicher nicht
verlassen würde, wenn sie jetzt eingriffen. Schwierig, sich darüber eine
Meinung zu bilden. Was denkt ihr?
Vielleicht habt ihr gehört, dass somalische Terroristen eine
Handgranate in eine Sonntagsschule neben einer Kirche hier in Nairobi geworfen
haben. Die Kirche ist von meinem Wohnort ca. 5 km entfernt. Die Menschen, mit
denen ich darüber gesprochen habe, schienen betroffen, jedoch nicht bestürzt.
Die Sicherheitsvorkehrungen in Nairobi sind seit diesem Jahr deutlich
verschärft worden: Vor jedem Supermarkt und manchmal auch vor Restaurants stehen
Männer und Frauen, die Menschen kontrollieren und Taschen abtasten. Leider ist
es auf Grund der Korruption immer noch möglich, Waffen nach Kenia zu schmuggeln
und diese auch zu benutzen. Ich hoffe sehr, dass sich das bald ändern wird!
Aus dem Watoto Wema Centre gibt es nur Erfreuliches zu
berichten. Die Kinder sind alle wohlauf und lernen fleißig. Letzte Woche gab es
für alle Kinder Luftballons, die natürlich schneller geplatzt sind, als Camilla
und Katrin, die beiden Freiwilligen aus Dänemark und Österreich, sie aufblasen konnten.Die beiden "großen" auf dem Foto sind übrigens Kijana, ein Freiwilliger aus Kenia und Edwin, der Sozialarbeiter (und Lehrer) des Centres.
| Spielen im Sand |
Heute haben alle Kinder, die im Watoto Wema zur Schule gehen, neue Turnschuhe, Unterhosen und
Socken bekommen. Erika, eine Freiwillige aus Mexiko, hatte letzte Woche in
mühsamer Arbeit alle Füße der Kinder aufgemalt und am Wochenende für jedes Kind
Turnschuhe in seiner Größe gekauft. Die Kinder waren sehr stolz auf ihren neuen
Besitz!
So, das wars erst mal an Neuigkeiten. Bis bald und viele Grüße aus Nairobi!
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