Dieses Weihnachten war für mich ganz anders als alle Weihnachten bisher. In der Adventszeit kam bei mir wenig Weihnachtsstimmung auf, was mit Sicherheit nicht zuletzt an den warmen Temperaturen in Nairobi lag. Außerdem blieb der vorweihnachtliche Stress aus, der sonst durch hektisches Geschenkesuchen und -einkaufen oder Stress in Schule oder Uni hervorgerufen wird. Die Weihnachtslieder, die laut in Supermärkten oder manchmal auch in Matatus gespielt wurden, habe ich trotzdem immer leise oder auch etwas lauter mitgesummt.
Trotz des Mangels an vorweihnachtlicher Stimmung und obwohl ich meine Familie in diesen Tagen schon vermisst habe, hatte ich insgesamt ein schönes Weihnachtsfest in diesem Jahr!

Richtig fing es für mich an, als wir, das heißt, ein paar andere Freiwillige und ich, am 22.12 bei der Gastfamilie von Nora deutsche Weihnachtsplätzchen gebacken haben. Schon das Einkaufen war lustig - wir haben bei den Verkäufern für einige Verwirrung gesorgt, als wir nach Vanillezucker gefragt haben! Die Vanillekipferl sind allerdings auch mit normalem Zucker und Vanillearoma 1 a geworden!

Plätzchen gibt es hier in Kenia so nicht. Ebensowenig wie Lebkuchen, Stollen, Adventskalender, Schnee, geschmückte Häuser, Lichterketten (außer in Supermärkten) und Weihnachtsmärkte. Selbst Geschenke sind zu Weihnachten nicht üblich. Stattdessen werden vor Weihnachten oft neue Kleider gekauft, mit welchen man sich an den Feiertagen im Fotostudion fotografieren lässt. Auch das viele Essen und der Besuch von Verwandten und der Kirche ist in Kenia nicht anders als bei uns. Trotzdem hatte ich insgesamt das Gefühl, das Weihnachten hier eine weniger große Rolle spielt als bei uns. An den Feiertagen waren Geschäfte geöffnet, viele Menschen auf den Straßen und das Thema "Weihnachten" tauchte in der Adventszeit längst nicht so häufig im Alltag auf wie bei uns.

Ich habe die Feiertage weniger mit meiner Famile als mehr mit Freunden und den Kindern aus meinem Projekt verbracht. Trotzdem wollte ich meinen Gasteltern gerne eine Freude machen - obwohl Geschenke wie gesagt nicht so eine große Rolle spielen wie bei uns in Deutschland. Also habe ich mich letzte Woche zum Weihnachtsshopping auf den Weg gemacht und bin auch schnell fündig geworden. Für meine Gastmama habe ich ein Tupperware - Set gekauft, da mir aufgefallen ist, dass sie meist die Margarine-Dosen ausspült und zum Aufbewahren von Resten im Kühlschrank benutzt. Sie hat sich sehr gefreut. Noch mehr gefreut hat sich allerdings mein Gastpapa, für den ich eine Flasche Jamaika-Rum gekauft hatte. Den hat er sofort geöffnet und mit seinem Sohn getestet.

Der Sohn meiner Gasteltern lebt seit vielen Jahren in den USA und ist im
Moment mit seiner Frau und seinem vierjährigen Sohn Kennedy zu Besuch.
Für Kennedy ist dies der erste Besuch in Kenia. Er hat schnell Freunde
in der Nachbarschaft gefunden und verbringt auch gerne Zeit mit mir in
unserem momentan gemeinsamen Zimmer. Richtig voll ist das Haus aber,
wenn zusätzlich noch die beiden Mädchen von der Tochter meiner
Gasteletern aus Nairobi zu Besuch sind. Mwikali ist 1,5 Jahre und Wandia
ist 3 Jahre alt. Die Kids sind zum Knuddeln süß, halten uns alle
aber auch ganz schön auf Trapp! Sie sind alle drei so verliebt in mich,
dass ich kaum eine ruhige Minute habe, wenn ich zu Hause bin und die
drei hier sind. Am liebsten spielen sie mit meinen Sachen, probieren
meine Schuhe an oder wollen mein Handy zum Spielen benutzen. Ich mag
alle drei sehr gerne und spiele gern ab und zu den "Babysitter".


Zurück zu Weihnachten in Nairobi. An Heilig Abend sind wir mit einer Gruppe von Freiwilligen und zwei kenianischen Freunden in mein Lieblings- Restaurant gegangen und haben uns die Bäuche mit wunderbarem Essen vollgeschlagen. Das Restaurant "Asmara" ist ein eriträisch-äthiopisches Restaurant, das ich seit meiner Ankunft in Kenia schon an die 20 mal besucht habe. Das Essen, das man hier bekommt, besteht aus einem sehr leichten weichen Brot und vielen Beilagen, die entweder Fleisch und Gemüse oder nur Gemüse und Hülsenfrüchte enthalten. Für eine Platte, die man sich zu zweit teilt, bezahlt man hier entweder 270 KSH (etwa 2,70€) oder 430 KSH (etwa 4,30€), je nachdem ob man Fleisch essen möchte oder nicht. Ein Restaurant mit diesem Essen gibt es übrigens auch in Frankfurt - ich kann es nur empfehlen!

Nach dem Restaurant-Besuch sind wir zu Anna, einer deutschen Freiwilligen, in die Gastfamilie gegangen, haben Plätzchen gegessen, Geschenke gewichtelt und zum krönenden Abschluss "Kevin allein in New York" - DEN Kult-Weihnachtsfilm angeschaut. Anna hatte wunderschön weihnachtlich geschmückt und uns sogar selbst gemachten sehr leckeren Glühwein serviert. Dieser Abend war wirklich gelungen, weihnachtlich und (fast) wie zu Hause.

Den ersten Weihnachtsfeiertag habe ich im Watoto Wema Centre verbracht. Wir hatten Besuch von ein paar jungen Kenianern, die bei der Kirche ehrenamtlich tätig sind und zu Weihnachten gerne den Kindern unseres Centres einen schönen Tag bereiten wollten. Sie hatten Spiele vorbereitet, die wir draußen auf dem Feld vor dem Centre gespielt haben. Wir hatten alle viel Spaß! Die Sonne hat so geknallt, dass ich mir einen Sonnenbrand geholt habe. An Weihnachten!


Außer den Spielen gab es ein "Kino" mit Computer und Projektor, in dem die Kinder Filme schauen konnten. Den Beamer hatten wir schon einmal aufgebaut vor ein paar Tagen und haben zusammen mit den Kids "Shrek" geschaut.
Später gab es ein wundervolles Mittagessen mit Reis, Chapati, Nudeln, Stew und Krautsalat von einem Catering-Service, dessen Mitarbeiter das Essen frisch in unserer Küche zubereitet haben. Zum Nachtisch gab es Obstsalat und sogar Eis! Das Geld hierfür wurde von einer Freiwilligen aus Mexiko gespendet, die vor zwei Monaten ein paar Wochen im Centre gearbeitet hat. Als Geschenk von den Freiwilligen gab es für die Kinder Märchenbücher, die allerdings lange nicht so spannend waren, wie die Süßigkeiten und das Eis. Ich glaube, alle Kinder des Centres hatten einen schönen Tag!

Am Abend des ersten Feiertages hat uns ein kenianischer Freund eingeladen, den Abend mit ihm in einem Restaurant/Bar/Club (das ist hier manchmal etwas schwer auseinander zu halten) in Kasarani zu verbringen. Kelsey, eine deutsche Freiwillige aus dem Watoto Wema, und ich haben uns also auf den Weg gemacht und wurden nicht enttäuscht. Die Stimmung war gut, das Bier zwar etwas teurer als in Buruburu, aber trotzdem hatten wir viel Spaß beim Tanzen und natürlich beim kulturellen Austausch zwischen jungen Menschen aus Deutschland und jungen Menschen aus Kenia ;)
Da wir unsere Betten erst wiedergesehen haben, als es draußen schon hell war, habe ich den zweiten Weihnachtsfeiertag größtenteils verschlafen.
Obwohl weder das Ausgehen noch das Arbeiten bei mir üblicherweise zum Programm an den Weihnachtsfeiertagen gehört, bin ich mit diesem Weihnachten sehr zufrieden und freue mich schon ganz doll auf den Urlaub an der Küste, wo ich mit vielen anderen Freiwilligen Silvester verbringen werde.
Ich hoffe, ihr hattet auch alle schöne Weihnachten. Ich wünsche euch einen guten Rutsch ins neue Jahr 2013, in dessen Verlauf ich mich wohl auch mal wieder in Deutschland blicken lassen werde.
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