Auf dem Weg durch das Rift Valley gab es allerdings auch viel zu sehen. Die Schönheit Kenias hat uns mal wieder mit voller Wucht umgehauen, als wir von einem Aussichtspunkt auf das Tal, das die „Wiege der Menschheit“ genannt wird, hinunterblicken konnten. Im Rift Valley soll der erste Urahn des heutigen Menschen gefunden worden sein.
In unserem Haus gab es drei Räume, zwei kleine für die
Mädels und einen großen für die Männer. Da wir aber weitaus mehr Frauen als
Männer waren, schlugen Sonia und ich unser Lager in dem großen Raum der Jungs
auf. Da die Umgebung von Kisumu ein Malaria-Gebiet ist, hatten wir (fast) alle,
unsere Moskitonetz dabei, die einige von uns in Nairobi nicht benutzen.
| unser Haus |
| das Haus unserer Gastgeber |
Tag 2 Montag
Am ersten Arbeitstag wurden wir offiziell und
sehr herzlich von den Mitglieder der Community willkommen geheißen. „Nyando
C.B.O.“ hilft Familien der Community (engl. Gemeinschaft), die kleine Kredite
brauchen, um ihr eigenes kleines Unternehmen aufzubauen, bewirtschaftet Felder,
hält Tiere und hat ein Waisenhaus für Waisen aus der Umgebung aufgebaut.
Unser Job für den ersten Tag war es, Löcher zu
graben, in die Bäume und andere Pflanzen gepflanzt wurden. Diese Arbeit ist anstrengend,
das kann ich euch sagen! Vor allem bei 25-30° Hitze! Ich hatte meine erste
Blase nach 10 Minuten. Ein bisschen frustrierend ist es schon, wenn man für ein
Loch 20 Minuten braucht, während die kenianischen Freiwilligen neben uns das
gleiche Loch in 3 Minuten ausgehoben haben. Aber eigentlich macht das überhaupt
nichts, da wir keine Eile und trotzdem jede Menge Spaß hatten!
Abends hatte das „Entertainment-Komitee“
(engl. Unterhaltung) unter den Freiwilligen ein Lagerfeuer und lustige Spiele
für die Gruppe organisiert. Bei dem allseits bekannten und beliebten Spiel
„Wahrheit oder Pflicht“ hatten Kenianer und Deutsche gleichermaßen viel Spaß!!! Hier sind Sonia und Anna gerade dabei, Clemens eine Runde um den Sitzkreis zu tragen.
Tag 3 Dienstag
Außerdem haben wir Gras geschnitten und ein Feld umgegraben. Was auf dem Feld angepflanzt werden soll, haben wir nicht erfahren, wir haben aber den leisen Verdacht, dass das Feld schon einmal umgegraben wurde, ohne dass etwas gepflanzt wurde und wir es nun wieder umgegraben haben, ohne dass etwas gepflanzt werden wird. Aber was solls's, für uns war die Arbeit auf dem Feld so oder so eine neue und interessante Erfahrung!
Nachmittags sind wir alle zusammen in das fünf Kilometer entfernte Ahero gelaufen, wo es einen Markt und nette kleine Cafés gibt. Als wir ankamen waren wir lauf-faulen Deutschen allerdings schon so geschafft, dass wir für den Markt kaum noch Augen hatten und uns erst einmal ein kaltes Getränk und eine Verschnaufpause gönnen mussten. Ich hatte mein neues Lieblingsgetränk: Krest. Eine Bitter-Lemon-Limonade der CocaCola Company. Die meisten Mitglieder unserer lustigen Runde hatten aber das deutsch-kenianische Freundschaftsgetränk: Bier.
Lustig übrigens ein kleines Detail in diesem
Bild hinten links: ein NSYNC-Plakat! Kennt ihr die Band noch?
Tag 4 Mittwoch
Am Mittwoch morgen gab es ein kleines
Highlight: blaue Pfannkuchen! Im Camp haben wir selbst gekocht und an diesem
Tag haben wir uns einen kleinen Spaß erlaubt. Lena hatte Lebensmittelfarbe
dabei und so konnten wir blaue Pfannkuchen backen. Unsere kenianischen Freunde
haben über unseren Erfinderreichtum nur den Kopf geschüttelt. Lucas, unser
Campleiter von CIVS kommentierte: „Deutsche muss man am besten einfach machen
lassen, was sie wollen. Wenn sie blaue Pfannkuchen haben möchten, lass sie
blaue Pfannkuchen backen. Wenn sie Erdnussbutter in ihrem Kohlgemüse haben
wollen, lass sie Erdnussbutter dazugeben.“ Der interkulturelle Austausch hat in
diesem Workcamp eindeutig ein neues Hoch erreicht! Besonderen Spaß hatten wir
dabei, deutsche Ausdrücke 1 zu 1 eins englische zu übersetzen, ob es Sinn ergab
oder nicht. Lucas und Erick, ein kenianischer Freiwilliger aus Kisumu, fanden
es super lustig, als sie gefragt wurden „What do you think about the beans?“
(dt. „Was denkst du über die Bohnen?“ ), als wir wissen wollten, ob die Bohnen
wohl schon weich genug gekocht waren oder „Was is happening to the bread?“ (dt.
„Was passiert mit dem Brot?“) als eine Deutsche wissen wollte, ob die Brote
noch mit Margerine bestrichen werden sollten oder nicht. Allerdings muss an dieser Stelle erwähnt
werden, dass auch Kenianer auf Grund ihres Swahili-Hintergrundes einiges im
Englischen anders ausdrücken, als wir es gewohnt sind. Zum Beispiel wird man
manchmal gefragt, ob man jemandem mit einem Stift o.ä. helfen kann („Can you
help me with the pen?“), was eine Übersetzung aus dem Swahili ist und so viel
bedeutet wie „Hast du mal einen Stift für mich?“ oder auch „Könntest du mir mit
einem Stift aushelfen?“.
Als wir wieder am Haus ankamen, regnete es in
Strömen. Eine der Hennen suchte mit ihren Küken unter unserem Tisch vor dem
Haus Schutz. Es gibt viele Tiere hier auf dem Grundstück: Hühner, die besonders
gerne beim Abwasch helfen, Hunde, die besonders gerne beim Essen helfen und
Kühe, die besonders gerne faul rumliegen.
Später gab es wieder lustige Spiele für die
ganze Gruppe. Bei diesem Spiel bekommt jeder eine Farbe des Kartensets
zugeordnet (Herz, Karo, Pik, Kreuz) und muss immer dann einen Platz weiter
rücken, wenn der Spielleiter eine Karte „seiner“ Farbe aufdeckt. Natürlich
sitzen schon nach kurzer Zeit alle
Teilnehmer übereinander – ein super Spiel, um sich langsam aber sicher näher zu
kommen. Den Höhepunkt erreichte der Abend aber bei dem Spiel „I love you“ – „I
don’t love you“ (dt. „Ich liebe dich“ – „Ich liebe dich nicht“): Ein
Freiwilliger steht in der Mitte des Kreises, wählt einen Mitspieler aus dem
Kreis aus und gesteht diesem seine
Liebe. Dabei muss er den Mitspieler, der ihm versicher muss, dass er ihn nicht
liebt, versuchen, zum Lachen zu bringen. Der Spaß und die Lacher sind
vorprogrammiert!! Ebenso wie bei dem letzten Spiel „Gordischer Knoten“, bei dem
Händchenhalten und kuscheln ein Muss sind!
Tag 5 Donnnerstag
Am Donnerstag wurde unser Können in Sachen
Hausbau noch einmal gehörig auf die Probe gestellt. Dieses Mal mussten wir ein
Haus, das bei unserer Ankunft nur aus einem Holzgestell bestand, komplett mit
Matsch verkleiden. Das alte Haus der Bewohnerin war bei einem Sturm zerstört
worden. Sie wohnte bis jetzt in einer kleinen Wellblechhütte, die eigentlich
nur als Küche dienen sollte.
Auf dem Weg zum Haus kamen wir an einer Stelle vorbei, an der gerade von zwei Männern ein Brunnen gegraben wurde. Ein Mann steht dabei unten im Brunnen, schaufelt und füllt die Erde in einen Eimer, den sein Kollege dann nach oben zieht. Ganz schön gruselig, da unten im Dunkeln zu arbeiten, viele Meter unter der Erde, nur mit ein paar Stufen in der Wand, die einen mit der Welt oben verbinden. Ich war jedenfalls froh, dass wir ein Haus bauen und keinen Brunnen graben mussten!
Dann musste der Matsch
gestampft und zu den Hausbauern gebracht werden. Dort wurden dann „Ugali-Babys“
gerollt, so nannten die Kenianer die Matsch-Brocken, die mit beiden Händen
gerollt und in die Holzverkleidung gestopft wurden.
Nach der Mittagspause ging es munter weiter
mit dem Hausbau. Wir waren alle bis zur letzten Minute hochmotiviert – es war
toll, den Fortschritt zu sehen.
Am Ende des Tages hatten wir tatsächlich das
ganze Haus mit Matsch versehen und waren mächtig stolz auf uns! Ich glaube, für
viele war das der beste Arbeitstag des Workcamps!!
Tag 6 Freitag
Freitags war es unsere Aufgabe, die Bäume, die
wir montags gepflanzt hatten, mit Dornen und Stöcken vor den hungrigen Mäulern
der Kühe zu schützen. Leider waren die Blumen teilweise schon etwas
abgefressen, die Pflanzen lebten aber zum Glück alle noch. Wir fingen also an,
Stöcke und Äste zu zerkleinern und um die Pflanzen herum in den Boden zu
stecken.
Tag 7 Samstag
Heute standen wir schon früh auf, um mit einem
Matatu nach Kisumu zu fahren. Unglücklicherweise streikten die Matatu-Fahrer
und Lucas musste einen privaten Bus für uns organisieren. Wir hingen also noch
etwas vor dem Haus rum, bis Lucas mit dem Bus zurückkam.
In Kisumu besuchten wir ein Restaurant, auf
das wir uns alle schon sehr gefreut hatten. Auf der Speisekarte stehen viele
deutsche und andere europäische Gerichte, ich hatte Cannelloni und Salat. Wenn
man unsere Gruppe fragt, was ihnen am meisten an Deutschland fehlt, sagt sie
mit Sicherheit: das Essen! Ein Dauerthema auf dem Workcamp war das Essen – wir
verbrachten Stunden damit, uns gegenseitig aufzuzählen, welches Essen wir am
meisten vermissten und was wir wohl als erstes essen würden, wenn wir wieder
zurück in Deutschland sind. Klar, dass wir dieses Restaurant feierten!
Nach dem guten Essen, das alle außer Sonia,
die mit einer leichten Malaria zu kämpfen hatte, in vollen Zügen genossen,
machten wir uns mit Tuktuks auf den Weg zum Lake Victoria, dem zweitgrößten
Süßwasser-See der Welt. Schon die holprige Fahrt war einfach nur lustig, wir
kamen uns vor wie bei einem Auto-, bzw. Tuktukrennen!
Die Fahrt auf dem See war wunderschön und sehr
entspannend. Vor allem der Sonnenuntergang, den wir genau abgepasst hatten, war
umwerfend. Wir hatten gehofft, die Flusspferde sehen zu können, die um diese
Uhrzeit eigentlich an Land gehen und fressen sollten, aber leider hatten sie an
diesem Tag wohl keinen Hunger. Wir waren etwas enttäuscht, aber trotzdem guter
Laune!
Nach der Bootsfahrt fuhren wir mit Motorrad-Taxis
(Pikipiki) zu einem Supermarkt und deckten uns für die Nacht mit Getränken und
Snacks ein. Vor dem Supermarkt ist dieses Bild von wunderschön-kitschiger
Weihnachtsbeleuchtung entstanden!
Danach ging es mit einem Bus, das eindeutig
weniger Sitze hatte, als wir Leute waren, in ein Workcamp in Kakamega, wo wir
die Nacht verbringen durften. Wir kamen erst spät an, haben uns einfach unter
die Freiwilligen dort gemischt, am Lagerfeuer gesessen, geschwatzt, getrunken
und unser Leben genossen.
Die Schlafplätze mussten wir uns dann irgendie
aufteilen, sodass auf diesen Matratzen im Endeffekt 10 Freiwillige mit 3
verschiedenen Nationalitäten schliefen.
Tag 8 Sonnntag
Wir
waren aus der Puste, enttäuscht und auf Grund des vielen Geldes, das wir an den
Guide bezahlt hatten, etwas ungehalten. Zum Glück kam der Guide aber noch und
nahm uns mit auf den richtigen Weg. Auf dem Hügel trafen wir die anderen
Gruppen unserer Gruppe. Der wunderschöne Ausblick stimmte uns wieder
versöhnlich und lies uns den Rest des Ausfluges doch noch richtig genießen. Der Sonnenaufgang über
dem Regenwald von Kakamega soll einer der schönsten der Welt sein. Da es an
diesem Morgen aber bewölkt war, können das auch die schnellen Gruppen, die früh
genug den Hügel erreicht hatten, nicht wirklich beurteilen.
Der Marsch durch den Regenwald der nach der
Pause auf dem Hügel war atemberaubend. Wir fühlten uns wie Tarzan und Mowgli
zugleich. Ich habe nie etwas Vergleichbares gesehen und weiß auch nicht, wann
ich es wieder sehen werde! Es ist unglaublich, dass der größte Teil dieses
Regenwaldes wieder neu gepflanzt werden musste, da er fast vollständig
abgeholzt worden war. Hier leben Schlangen, Schmetterlinge, Affen und was weiß
ich wie viele andere Tiere, die alle ihren Lebensraum verlieren, wenn es keine
Bäume mehr gibt, in denen sie sich verstecken können.
Auf dem Rückweg waren wir sehr dankbar, als
und ein Auto aufgelesen und zum Camp zurück gefahren hat. Wir waren alle
hundemüde und haben uns direkt wieder auf unsere Matratzen gelegt und
geschlafen, bis wir zum Essen gerufen wurden und uns letztendlich wieder auf
den Heimweg nach Ahero gemacht haben.
Tag 9 Montag
Am letzten Tag vor der Heimreise gab es nichts
mehr für uns zu tun, außer unsere Sachen zu packen und uns von den netten
Menschen zu verabschieden, die wir hier kennen gelernt hatten. Abends wurde es
einigen Mädels dann aber doch so langweilig, dass sie auf verrückte Ideen
kamen. So entstanden die Fotos der Girlie-Gangster-Gang, die leider leider aus Jugendschutz-Gründen (und aufgrund des Rechts am eigenen Bild) nicht gezeigt werden dürfen ;)
Tag 10 Dienstag
Heute hieß es endgültig Abschied nehmen von
Ahero und den lieben Menschen, die uns die letzten 10 tage begleitet hatten.
Wir waren alle etwas bedrückt, da wir das Workcamp sehr genossen haben und auch
als Gruppe eine tolle Zeit zusammen hatten. Aber ob ihr es glaubt oder nicht:
Wir hatten alle Heimweh nach Nairobi!! Die beiden Tage Evaluations-Seminar, die
an das Workcamp anschlossen, zeigten, was mir bei mir persönlich schon lange
klar war: Wir alle haben uns unglaublich schnell hier eingelebt und fühlen uns
in Nairobi so zu Hause wie in unserer Heimatstadt in Deutschland. Keiner von uns
hatte in den letzten drei Monaten ernsthaftes Heimweh, wir genießen unser
weltwärts-Jahr in vollen Zügen (bzw. Matatus). Würde uns heute jemand
verkünden, dass wir morgen alle nach Hause fliegen müssen, wir würden diese
Person wohl auf der Stelle lynchen! Unser Platz ist hier in Nairobi, in Kenia,
bei unseren Freunden!!
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